Text 4
Ich liege im Bett und streichle mir meinen Bauch, du bist weg, wirklich weg, warst du wirklich bei mir? Es kommt mir einfach alles so unwirklich vor, so als wäre ich nie schwanger gewesen. Hab ich mir das alles nur eingebildet? Ich weiß nicht mehr was echt ist und was ich mir einbilde. Vielleicht hab ich mir auch nur so sehr gewünscht schwanger zu werden dass ich mir das alles vielleicht eingebildet habe, vielleicht hat mein Körper das gemacht was ich mir gewünscht habe? Nein, dann wäre ja der Urintest nicht positiv, dann hätte man kein embryonales Gewebe untersuchen können, dann wäre auch der Verlustschmerz nicht so groß. Ich bereue es dass ich mich so genau informiert habe wie weit die Entwicklung eines Kindes in welcher Schwangerschaftswoche ist. Ich habe immer die Bilder vor Augen wie das Herzchen meines Böhnchens aufhört zu schlagen, oder gar nicht erst anfängt, so oder so, du bist weg. Es ist schon 4 Monate her und doch habe ich einen Kloß im Hals wenn ich daran denke dass du von mir gegangen bist. Gerade hat Sarah eine SMS geschrieben, sie hat heute Morgen entbunden, Ihr kleiner Sohn erblickte um 7 Uhr das Licht der Welt. Ich mache mich sofort auf den Weg ins Krankenhaus, wir waren ja eine kurze Zeit zusammen schwanger. Ich suche den schönsten Blumenstrauß aus und gehe dann zur Entbindungsstation, schon auf dem Weg dorthin muss ich meine Tränen einige Male unterdrücken. Ich betrete das Zimmer und begrüße sie herzlich, neben Ihr im Zimmer liegt noch eine frisch gebackene Mami mit ihrer Kleinen. Der Kloß im Hals wird größer. Wir unterhalten uns und sie erzählt mir alles. Dann drückt sie mir den Kleinen auf den Arm und sagt sie muss mal kurz ins Bad. Ich freue mich über den Kleinen aber gleichzeitig wird mir schmerzlich klar was ich verloren habe. Ich fange an zu weinen, ich kann kaum wieder aufhören, die 10 min die Sarah im Bad ist kommen mir wie eine Ewigkeit vor. Der Kleine ist so wunderschön und winzig, so perfekt und unschuldig, so vollständig und einfach großartig. Es ist ein Gefühl wie… eine Mischung aus purem Glück und purer Trauer. Skurril, aber die Freude über den Kleinen überwiegt und ich kann mich langsam wieder sammeln und höre auf zu so stark zu weinen. Sarah kommt zurück aus dem Bad, legt die Hand auf meine Schulter und sagt: „Du bist auch bald dran, ganz sicher!“…
Zoe Sou - 19. Feb, 16:30
