Samstag, 19. Februar 2011

Text 3

Ich stehe noch im Untersuchungszimmer und nehme wortlos die Überweisung ins Krankenhaus entgegen. Ich glaube mein Herz hat kurz aufgehört zu schlagen, die Ärztin sagt mein Kind ist schon tot. Ich trage ein totes Kind in mir. Ich weiß nicht was ich noch sagen soll, deshalb verabschiede ich mich mit „Tschüß“ und verlasse den Raum. Ich gehe zum Kleiderständer und schnappe mir meine Sachen, anziehen kann ich mich auch im Treppenhaus. Die Tränen laufen in mir über die Wangen, mir ist kalt. Noch versuche ich mir die Tränen weg zu wischen aber es sind einfach zu viele, auf dem Weg zur U-Bahn gebe ich auf und lasse es einfach fließen, jetzt sieht es eh schon jeder und sieht mich mitleidig an. Ich spüre meine Beine nicht, meine Arme nicht, eigentlich spüre ich nur mein Herz und habe das Gefühl dass der Boden unter mir weggerissen wird. Das kann jetzt nicht wirklich passieren, ich wache sicher gleich schweißgebadet auf, mir ist so kalt, ich fange an zu zittern, ich schüttel mich am ganzen Körper. Der alte Mann da drüben kann gar nicht weg sehen, er fragt sich sicher was mir passiert ist. Mein Gesicht spiegelt sich in der Glasscheibe, ich sehe aus wie ein Häufchen Elend und ich fühle mich wie ein ganzes Gebirge Elend. Ich hab mein Kind sicher vergiftet mit den Grippostad, auf dem Beipackzettel stand dass man es während einer Schwangerschaft nicht einnehmen soll. Oder ich hab es gekocht, ich hatte Fieber und ich bin trotzdem arbeiten gegangen, sogar in Doppelschicht weil ich dachte ich müsse für meine Kollegen da sein, dadurch ist mein Fieber schlimmer geworden und ich hab mein Kind sicher gargekocht, ich sehe es genau vor mir wie die kleinen Eiweißverbindungen auf atomebene ausflocken und das kleine Wesen daran hintern sich weiter zu entwickeln. Dieser mikroskopisch kleine Zellhaufen der mein Baby ist. Ich hab es umgebracht, ich bin sicher Schuld und jetzt muss ich mein totes Baby rum tragen. Ich hoffe mein Zwerg hatte noch keine Nervenbahnen und konnte keinen Schmerz spüren…Ich hab es nicht verdient Mutter zu werden, ich bin nicht gut genug für ein Kind. Ich bin bestimmt zu dick und weil ich zu viel gegessen habe funktioniert mein Körper nicht richtig, nur weil ich zu undiszipliniert war und bin, ich bin selber schuld. Wenn ich meinen Körper die letzten Jahre fitter gehalten hätte dann wäre das sicher nicht passiert. Ich hasse mich selber dafür. Ich hasse mich, ja ich hasse mich. Dabei will ich doch nur ein Baby haben, ich will doch nur dass Du lebst, du kleines Würmchen in mir, die anderen Frauen können das doch auch. Verdammt, fast hätte ich meine Station verpasst, ich steige aus und laufe fast nach Hause, immer noch ist mir kalt und übel ist mir auch, mein Magen dreht sich fast um bei dem Gedanken dass mein Zwerg tot ist. Ich habe einen riesigen Kloß im Hals, ich muss tief einatmen um überhaupt Luft zu bekommen. Ich sinke in mein Sofa, mir tut alles weg, jede Zelle meines Körpers tut weh, jede Zelle ist unglücklich, ich hab mein Baby verloren und ich bin schuld. Ich weiß es, von alleine geht so ein Zwerg doch nicht einfach oder??? Ich kann nicht atmen, ich weine nicht mehr, für einen Moment zumindest…

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