Auswertung Test 1+2 und Anweisung Text 3+4
Liebe Frau Sou,
erst mal ein großes Kompliment für Ihre beiden Texte - Sie haben sich mit beeindruckendem Mut und Offenheit der Erinnerung an die Situation ausgesetzt, als Sie Ihr Kind verlorenen haben und beschreiben diese Situation sehr detailliert. Beim Lesen Ihrer Texte kann man Ihre Verzweiflung und Trauer, dieses Gefühl von Leere und Fassungslosigkeit gut nachvollziehen.
In beiden Texten gelingt es Ihnen sehr gut Ihre Gefühle einzufangen und zu beschreiben. So wird schon im ersten Text sehr deutlich, wie aufgeregt Sie vor dem ersten Ultraschalltermin sind und wie Sie beim Ultra-Schall eine deutliche Unruhe und Panik verspüren, als Sie nur eine anscheinend leere Fruchthülle erkennen können. Ich finde es sehr nachvollziehbar, wie schlimm es für Sie gewesen sein muss, die Zeit bis zum nächsten Untersuchungstermin auszuhalten und wie fassungslos Sie waren, als Sie von Ihrer Ärztin zur Ausschabung überwiesen wurden. Auch ihre Schuldgefühle unbewusst etwas falsch gemacht zu haben und Ihre Angst, es Ihrem Partner zu sagen, werden in Ihrem ersten Text sehr deutlich.
Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass Sie von der Reaktion Ihres Partners enttäuscht waren und in Ihrer tiefen Trauer nicht richtig wahrgenommen gefühlt haben. Dass Sie direkt nach der endgültigen Diagnose mit Ihrer Schwester telefonieren und gemeinsam mit Ihr weinen konnten, zeigt dass sie eine große Stütze für Sie zu sein scheint.
Auch das Gefühl der Leere und das Gefühl, sich innerlich tot zu fühlen, das Sie schon am Ende Ihres ersten Textes sehr eindrücklich beschreiben, wird - besonders in Ihrem zweiten Text - sehr nachvollziehbar. So ergibt sich zusätzlich zu Ihrer Frage nach dem "Warum" noch der Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs, der bei Ihnen in Anbetracht Ihres Verlustes zunächst nur das Gefühl der Leere verstärkt, aber nicht den Schock auslöst, den Sie vielleicht erwartet hätten ("Wieso schockiert mich diese Nachricht nicht? Naja egal, ihr macht das schon.").
Es ist meiner Meinung nach auch sehr nachvollziehbar und natürlich, dass Sie sich statt des immer wieder auftretenden Schmerzes über den Verlust Ihres Kindes lieber wieder das Gefühl der Leere wünschen, da dieses für Sie einfacher auszuhalten ist. Auch die Wut auf Ihre Schwestern, die beide eine Abtreibung haben vornehmen lassen, während Sie Ihr Kind gerne bekommen hätten, empfinde ich als absolut nachvollziehbar. Durch Ihre Beschreibungen wird mir die Unglaublichkeit der Situation für Sie noch deutlicher. Daher ist es auch absolut verständlich, dass Sie in dieser Situation versuchen, sich mit viel Arbeit abzulenken.
Man merkt Ihren Texten an, dass Sie sich wieder sehr intensiv auf all dieses eingelassen haben. Das war ein wichtiger Schritt den Sie gemacht haben - und ein schwerer, wie man deutlich merken kann. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie viel Widerstand und Schmerz die Auseinandersetzung mit diesen Erinnerungen auslöst. Das haben Sie sehr gut gemacht und ich habe wirklich großen Respekt vor dieser Leistung! Unser Behandlungsangebot soll Ihnen helfen, sich weiter mit diesem schmerzlichen Verlust auseinander zu setzen, ihn aushalten und eventuell besser in Ihr Leben integrieren zu können.
Ich möchte Sie nun bitten, in den nächsten beiden Texten aus der gesamten Situation als Sie Ihr Kind verloren haben einen Moment zu wählen. Einen Moment oder ein Bild, an das Sie kaum zu denken wagen, das Sie noch immer sehr beunruhigt. Meistens ist das ein Moment, der sich Ihnen immer wieder stark aufdrängt, der Gefühle auslöst und körperliche Reaktionen verursacht wie Schwitzen, kalte Hände oder Beklemmung.
Dieses Bild kann auch eine Vorstellung sein, ein fiktives Bild, das Sie sich vorstellen, wenn Sie an den Verlust Ihres Kindes denken. Schreiben Sie die am meisten beunruhigende Gedanken und Bilder, die im Zusammenhang mit dem Verlust Ihres Kindes auftauchen auf. Es geht also nicht mehr darum, die gesamte Situation zu beschreiben, sondern den schmerzhaftesten belastenden Moment.
Schreiben Sie wieder in der ersten Person und in der Gegenwartsform. In Ihren ersten beiden Texten haben Sie das schon sehr gut gemacht! Beschreiben Sie den Moment, den Sie ausgewählt haben, so genau wie möglich. Jede Einzelheit ist wichtig: Was Sie sehen, was Sie riechen, was Sie hören. Beschreiben Sie auch alles, was in Ihnen vorgeht, jedes Gefühl, jeden Gedanken und wie Ihr Körper reagiert (z.B. schwitzige Hände oder ein trockener Mund).
Überlegen Sie wieder vor dem Schreiben, was Sie danach tun, um sich zu entspannen und sich vom Wiedererleben des erschütternden Erlebnisses zu erholen.
Schreiben Sie so spontan wie möglich, zensieren Sie sich nicht selbst. Sie brauchen keine "schönen" Formulierungen zu suchen. Schimpfworte oder Wiederholungen sind erlaubt. Grammatik und Rechtschreibung sind nicht wichtig.
Versuchen Sie, sich vor dem Schreiben 2 Minuten lang in das Ereignis zurückzuversetzen. Stellen Sie sich einen Gegenstand vor, der mit dem Verlust Ihres Kindes in Zusammenhang steht oder legen Sie diesen Gegenstand (z. B. Foto, Kuscheltier) auf Ihren Schreibtisch. Stellen Sie eventuell Musik an, die Sie an das Geschehene erinnert. Lesen Sie dann noch mal Ihre ersten zwei Texte und fangen Sie anschließend mit dem Schreiben an.
Nachdem Sie die Texte 3 und 4 geschrieben haben, bekommen Sie von mir eine neue Schreibanleitung für die nächsten beiden Texte. Außerdem werden Sie nach Text 4 aufgefordert, eine neue Zeitplanung zu machen.
Liebe Frau Sou, ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und ein gutes Gelingen! Falls Sie noch Fragen haben sollten, melden Sie sich einfach bei mir.
Mit liebem Gruß,
Ihre Frau XXX
erst mal ein großes Kompliment für Ihre beiden Texte - Sie haben sich mit beeindruckendem Mut und Offenheit der Erinnerung an die Situation ausgesetzt, als Sie Ihr Kind verlorenen haben und beschreiben diese Situation sehr detailliert. Beim Lesen Ihrer Texte kann man Ihre Verzweiflung und Trauer, dieses Gefühl von Leere und Fassungslosigkeit gut nachvollziehen.
In beiden Texten gelingt es Ihnen sehr gut Ihre Gefühle einzufangen und zu beschreiben. So wird schon im ersten Text sehr deutlich, wie aufgeregt Sie vor dem ersten Ultraschalltermin sind und wie Sie beim Ultra-Schall eine deutliche Unruhe und Panik verspüren, als Sie nur eine anscheinend leere Fruchthülle erkennen können. Ich finde es sehr nachvollziehbar, wie schlimm es für Sie gewesen sein muss, die Zeit bis zum nächsten Untersuchungstermin auszuhalten und wie fassungslos Sie waren, als Sie von Ihrer Ärztin zur Ausschabung überwiesen wurden. Auch ihre Schuldgefühle unbewusst etwas falsch gemacht zu haben und Ihre Angst, es Ihrem Partner zu sagen, werden in Ihrem ersten Text sehr deutlich.
Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass Sie von der Reaktion Ihres Partners enttäuscht waren und in Ihrer tiefen Trauer nicht richtig wahrgenommen gefühlt haben. Dass Sie direkt nach der endgültigen Diagnose mit Ihrer Schwester telefonieren und gemeinsam mit Ihr weinen konnten, zeigt dass sie eine große Stütze für Sie zu sein scheint.
Auch das Gefühl der Leere und das Gefühl, sich innerlich tot zu fühlen, das Sie schon am Ende Ihres ersten Textes sehr eindrücklich beschreiben, wird - besonders in Ihrem zweiten Text - sehr nachvollziehbar. So ergibt sich zusätzlich zu Ihrer Frage nach dem "Warum" noch der Verdacht auf Gebärmutterhalskrebs, der bei Ihnen in Anbetracht Ihres Verlustes zunächst nur das Gefühl der Leere verstärkt, aber nicht den Schock auslöst, den Sie vielleicht erwartet hätten ("Wieso schockiert mich diese Nachricht nicht? Naja egal, ihr macht das schon.").
Es ist meiner Meinung nach auch sehr nachvollziehbar und natürlich, dass Sie sich statt des immer wieder auftretenden Schmerzes über den Verlust Ihres Kindes lieber wieder das Gefühl der Leere wünschen, da dieses für Sie einfacher auszuhalten ist. Auch die Wut auf Ihre Schwestern, die beide eine Abtreibung haben vornehmen lassen, während Sie Ihr Kind gerne bekommen hätten, empfinde ich als absolut nachvollziehbar. Durch Ihre Beschreibungen wird mir die Unglaublichkeit der Situation für Sie noch deutlicher. Daher ist es auch absolut verständlich, dass Sie in dieser Situation versuchen, sich mit viel Arbeit abzulenken.
Man merkt Ihren Texten an, dass Sie sich wieder sehr intensiv auf all dieses eingelassen haben. Das war ein wichtiger Schritt den Sie gemacht haben - und ein schwerer, wie man deutlich merken kann. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie viel Widerstand und Schmerz die Auseinandersetzung mit diesen Erinnerungen auslöst. Das haben Sie sehr gut gemacht und ich habe wirklich großen Respekt vor dieser Leistung! Unser Behandlungsangebot soll Ihnen helfen, sich weiter mit diesem schmerzlichen Verlust auseinander zu setzen, ihn aushalten und eventuell besser in Ihr Leben integrieren zu können.
Ich möchte Sie nun bitten, in den nächsten beiden Texten aus der gesamten Situation als Sie Ihr Kind verloren haben einen Moment zu wählen. Einen Moment oder ein Bild, an das Sie kaum zu denken wagen, das Sie noch immer sehr beunruhigt. Meistens ist das ein Moment, der sich Ihnen immer wieder stark aufdrängt, der Gefühle auslöst und körperliche Reaktionen verursacht wie Schwitzen, kalte Hände oder Beklemmung.
Dieses Bild kann auch eine Vorstellung sein, ein fiktives Bild, das Sie sich vorstellen, wenn Sie an den Verlust Ihres Kindes denken. Schreiben Sie die am meisten beunruhigende Gedanken und Bilder, die im Zusammenhang mit dem Verlust Ihres Kindes auftauchen auf. Es geht also nicht mehr darum, die gesamte Situation zu beschreiben, sondern den schmerzhaftesten belastenden Moment.
Schreiben Sie wieder in der ersten Person und in der Gegenwartsform. In Ihren ersten beiden Texten haben Sie das schon sehr gut gemacht! Beschreiben Sie den Moment, den Sie ausgewählt haben, so genau wie möglich. Jede Einzelheit ist wichtig: Was Sie sehen, was Sie riechen, was Sie hören. Beschreiben Sie auch alles, was in Ihnen vorgeht, jedes Gefühl, jeden Gedanken und wie Ihr Körper reagiert (z.B. schwitzige Hände oder ein trockener Mund).
Überlegen Sie wieder vor dem Schreiben, was Sie danach tun, um sich zu entspannen und sich vom Wiedererleben des erschütternden Erlebnisses zu erholen.
Schreiben Sie so spontan wie möglich, zensieren Sie sich nicht selbst. Sie brauchen keine "schönen" Formulierungen zu suchen. Schimpfworte oder Wiederholungen sind erlaubt. Grammatik und Rechtschreibung sind nicht wichtig.
Versuchen Sie, sich vor dem Schreiben 2 Minuten lang in das Ereignis zurückzuversetzen. Stellen Sie sich einen Gegenstand vor, der mit dem Verlust Ihres Kindes in Zusammenhang steht oder legen Sie diesen Gegenstand (z. B. Foto, Kuscheltier) auf Ihren Schreibtisch. Stellen Sie eventuell Musik an, die Sie an das Geschehene erinnert. Lesen Sie dann noch mal Ihre ersten zwei Texte und fangen Sie anschließend mit dem Schreiben an.
Nachdem Sie die Texte 3 und 4 geschrieben haben, bekommen Sie von mir eine neue Schreibanleitung für die nächsten beiden Texte. Außerdem werden Sie nach Text 4 aufgefordert, eine neue Zeitplanung zu machen.
Liebe Frau Sou, ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und ein gutes Gelingen! Falls Sie noch Fragen haben sollten, melden Sie sich einfach bei mir.
Mit liebem Gruß,
Ihre Frau XXX
Zoe Sou - 7. Feb, 14:39
