Samstag, 19. Februar 2011

Text 7

Liebe Lynda,
letzte Woche hatte ich wieder einen Tag in denen mir das Leben sehr sinnlos erschien ohne meinen kleinen Zwerg. Ich habe dann sofort angefangen mich mit Freunden zu verabreden. Es tut mir immer sehr gut mit Freunden zu reden und auch an den normalen Dingen des Lebens Teil zu haben.
Ich habe mir nochmal den Abschiedsbrief durchgelesen den ich meinem Zwerg geschrieben habe um ihn irgendwie noch mal ganz nah bei mir zu haben, zumindest in Gedanken. Seit Weihnachten steht neben dem Fernseher auf dem kleinen Regal aus Holz eine sternförmige Kerze, daneben habe ich eine kleine Figur gestellt, es ist ein Babyengel der schläft, seine Flügel legen sich schützend um ihn herum. Ich mag diese Figur denn sie ist jetzt Teil meines Alltags und sie zeigt mir dass mein Zwerg da war und seine kurze Anwesenheit meine Seele zu tiefst berührt hat.
Außerdem habe ich im Schlafzimmer ein erstes Familienfoto aufgehängt, es ist sehr groß dass geb ich zu (DIN A1) aber es macht sich sehr gut. Das Bild ist eines dass ich in Paris vom mir und Paul gemacht habe, meinen Zwerg trug ich dort noch in mir. Auch im Büro habe ich es aufgehängt und wenn ich keine Kraft mehr habe schaue ich mir an wie Johannes und ich glücklich in die Kamera lächeln.
Überleg doch mal was dir deinen Kleinen täglich in Erinnerung ruft? Vielleicht geht es dir dann wie mir und du fühlst dich dann nicht mehr so verlassen und es kommt dir nicht mehr alles so unwirklich vor.
Ich weiß dass es einem auch körperlich nicht gut geht wenn die Seele leidet, ich selber konnte schlecht bis gar nicht schlafen, selbst momentan bekomme ich schlecht Luft und muss viel Husten, ich bin mir aber sicher dass es deshalb ist weil ich mich gerade intensiv mit der Thematik beschäftige, aber ich hoffe auch dass ich mich danach wieder besser fühle und mich wieder entspannen kann.
Diese schmerzhafte Erfahrung hat mich auch zum denken gebracht, ich glaube ich hätte auch frühere schwierige Erfahrungen anders angehen und verarbeiten sollen, vielleicht gelingt mir das hinterher, Stück für Stück. Aber zumindest fühle mich dem jetzt gewachsen, denn es gibt Erlebnisse die belasten einen unverarbeitet sein ganzes Leben.
Lass nicht zu dass dein Schicksal dein Leben diktiert, versuche es weiterhin zu gestalten, so dass du glücklich darüber sein kannst dass du lebst und dass du in der Lage bist selber Leben zu erschaffen.
Wenn es dir schwer fallen sollte dich mit deinem Mann zu unterhalten dann schreib ihm doch einfach auf wie du dich fühlst. Auch mein Johannes ist da sehr verschlossen und macht das lieber mit sich selber aus, er möchte für mich besonders stark sein und ich habe dabei Angst dass er sich selber dabei vergisst. Deshalb habe ich ihm immer geschrieben wie ich mich fühle, ihm hat das auch geholfen mich besser zu verstehen und sich in mich hinein zu fühlen. Ich denke deshalb haben wir diese schwere Zeit auch so gut überstanden und sind nicht daran zerbrochen. Wichtig ist dass ihr das gemeinsam macht, jeder für sich und doch gemeinsam. Uns haben auch viele gemeinsame Aktivitäten geholfen, gemeinsames Spielen und jetzt unser gemeinsamer Hund.
Du wirst sicher noch den ein oder anderen schlechten Tag haben, aber dazwischen werden auch viele schöne Tage sein und irgendwann hältst du wieder einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen, dann geht das nächste Abenteuer los.
Ich werde auf jeden Fall immer dabei sein,
Deine Freundin Zoe

Auswertung Text 5 + 6 / Schreibanleitung Text 7 + 8

Liebe Frau Sou,

die Briefe, die Sie geschrieben haben, sind wirklich sehr gelungen! Ich finde es sehr beeindruckend, wie viel Mut Sie Ihrer Freundin zusprechen und wie Sie ihr die unterschiedlichen Aspekte des Geschehenen aufzeigen.

Zu Beginn Ihres ersten Briefes betonen Sie, dass Ihre Freundin sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, was sie für den Verlust des Kindes verantwortlich scheinen lässt. So wird sehr deutlich, wie sehr Lynda darauf geachtet hat, keine „eventuell gefährlichen“ Lebensmittel zu sich zu nehmen. Weiterhin zeigen Sie ihr eine andere Perspektive des Geschehenen auf: So verdeutlichen Sie ihr, dass die Fehlgeburt ihr eventuell sogar das Leben gerettet haben könnte, da so der Gebärmutterhalskrebs operiert werden konnte. Sie sprechen Lynda viel Mut und Hoffnung zu. Das gelingt Ihnen meiner Ansicht nach so gut, da Sie sich ihr als Modell zur Verfügung stellen und ihr aufzeigen, welche sehr guten Ressourcen Sie haben (z.B. Mann, der Sie sehr liebt; Krebs wurde entdeckt; Sie können weiterhin Kinder bekommen; Ihre Familie ist für Sie da; Sie haben erkannt, was Sie einigen Leuten bedeuten…) und auch Lynda wahrscheinlich hat.
In diesem Zusammenhang finde ich auch Ihren Ratschlag am Ende des ersten Briefes, den Schmerz als Teil von sich anzunehmen und die Reifung, die durch ihn kommen kann, anzunehmen, sehr unterstützend.

Auch in Ihren zweiten Brief an Lynda gelingt es Ihnen sehr gut, ihr einerseits Mut zuzusprechen, sie andererseits aber in Ihren Ängsten und Sorgen ernst zu nehmen. Auch hier stellen Sie ihr sich und Ihre Erfahrungen zur Verfügung (z.B. die Geschichte Ihrer Mutter) und zeigen Ihr auf, wie Sie es geschafft haben neuen Mut zu schöpfen und mit Ihrem Verlust umzugehen (z.B. durch Ihren Hund).
Insgesamt gelingt es Ihnen sehr gut, Ihrer Freundin zu zeigen, wie sie besser mit dieser schwierigen Situation umgehen kann. Ich habe Ihre Ideen und Ratschläge beim Lesen als sehr hilfreich und unterstützend für Ihre Freundin erlebt. Diese Fähigkeit, Lynda so zu unterstützen und sie in ihrer Trauer trotzdem absolut ernst zu nehmen, zeigt, wie viele Ressourcen Sie haben und wie gut Sie sich schon jetzt mit Ihrem schlimmen Verlust auseinander gesetzt haben.

Liebe Frau Sou, Sie haben ja in Ihren beiden Briefen schon viele wichtige Aspekte genannt. Ich möchte Sie deshalb bitten, diese Aspekte in den nächsten beiden Briefen an Ihre Freundin fortzusetzen.

Sie haben Ihrer Freundin einen anderen Blickwinkel auf den Verlust gezeigt und ihr durch Ihre Erfahrungen Möglichkeiten aufgezeigt, mit dem Verlust umzugehen. Haben Sie konkrete Ideen, wie es Lynda gelingen könnte, sich das immer wieder zu verdeutlichen, auch wenn sie mal das Gefühl haben sollte, nicht mit der Fehlgeburt umgehen zu können?

Gibt es Dinge oder Aktivitäten, die Ihrer Freundin – außer den vielen, schon genannten Dingen – Freude bereiten könnten? Was würde ihr gut tun? Kann Ihre Freundin Situationen bewusst genießen, in denen sie sich wohl fühlt? Welche Situationen wären das zum Beispiel?
Gibt es noch Möglichkeiten, wie Lynda ihre Trauer – aber auch ihre positiven Erinnerungen an ihr Kind – in ihr jetziges Leben integrieren könnte (z.B. in Form von bestimmten Ritualen oder Aktivitäten)? Gibt es Aktivitäten, die Ihre Freundin gemeinsam mit Ihrem Partner unternehmen könnte?
Machen Sie Ihrer Freundin noch deutlicher, dass es auch im Sinne ihres Kindes gewesen wäre, dass sie sich weiter am Leben erfreut, dass sie ihr Leben genießen darf und soll und das nicht heißt, dass sie sich nicht auf ihr Kind gefreut hat.
Selbstverständlich können Sie auch zusätzlich bisher nicht genannte Aspekte besprechen, von denen Sie denken, dass Sie für Ihre Freundin wichtig wären zu hören.

Benutzen Sie diese Schreibanleitung für die Texte 7 und 8. Denken Sie wieder daran, dass Sie weder auf Grammatik noch auf Wortwiederholungen achten müssen. Schreiben Sie alles, was Ihnen spontan einfällt. Der Rat, den Sie ihrer imaginären Freundin erteilen, muss nicht perfekt sein.
Versuchen Sie, bevor Sie weiter schreiben, sich 2 Minuten lang in das traumatische Ereignis und die Folgen, die diese Erfahrung für Sie hatte, zurückzuversetzen.

Liebe Frau Sou, nachdem Sie die Texte 7 und 8 geschrieben haben folgen eine Rückmeldung und eine neue Instruktion für den nächsten Text. Außerdem werde Sie nach Text 8 aufgefordert eine neue Zeitplanung zu machen.

Text 5

Liebe Lynda,
zuerst einmal möchte ich dir mein herzliches Beileid aussprechen, ich trauere mit um dein Kind den ich weiß dass es für dich schon ein Baby war wie jedes andere dass das Licht des Lebens erblicken darf.
Bitte mach dir keine Vorwürfe, du hast nichts falsch gemacht. Seit du geplant hast schwanger zu werden hast du nicht einen Tropfen Alkohol getrunken, und dass wo du auch vorher fast nie was getrunken hast. Du hast sogar aufgehört Kaffee zu trinken, die meisten Frauen schränken das nur ein. Ich weiß dass du auch alle eventuell gefährlichen Lebensmittel gemieden hast und auf viel Gemüse und Vitamine geachtet hast, wenn das keine Disziplin ist dann weiß ich auch nicht.
Du musst verstehen, die Biologie, also Mutter Natur, kennt keine Schuld. Sie richtet die Dinge genau so ein wie sie sein sollen. Dein Baby war leider nicht lebensfähig, keiner wird je wissen woran das gelegen hat, aber Mutter Natur hat es so eingerichtet das eben nur perfekte Zellteilungen weiter gehen und Kinder werden.
Auch wenn diese Sicht der Dinge sehr unromantisch ist, es gibt noch eine andere. Stell dir die Alternative vor. Was wäre wenn das Kind es geschafft hätte, Du aber nicht hättest operiert werden können wie notwendig und der Krebs im Laufe der Schwangerschaft invasiv geworden wäre?
Man kann es eben auch so sehen dass diese Fehlgeburt, dieser Schicksalsschlag irgendwie doch dein Leben gerettet hat, wahrscheinlich damit du später Mutter werden kannst und dein Leben lang für dein Kind sorgen kannst.
Ich weiß diese Sicht der Dinge lindert den Schmerz nicht, aber vielleicht lässt sie dich den Schmerz besser erstragen, weil das Ganze nicht sinnlos passiert ist.
Ich bin mir sicher dass du wieder schwanger werden wirst und dass du eine sehr gute Mutter werden wirst, deine Fürsorge und die Liebe die du zu geben hast wird dein Kind zu schätzen wissen.
Ich weiß die Welt ist ungerecht, gerade wenn man das direkt in der Familie vorgeführt bekommt ist es schwer zu ertragen. Ich glaube alles kommt irgendwann ins Gleichgewicht und auch du wirst deinen Wunsch erfüllen können.
Auch ich war nach meiner Fehlgeburt unglücklich aber andererseits ist mir auch aufgefallen welches Glück ich habe. Das Glück die Liebe meines Lebens gefunden zu haben der immer zu mir hält, auch in solch schwierigen Zeiten. Ein Mann der mich liebt und mit mir eine Familie gründen will, ich hatte fast ewig danach gesucht und ihn dann doch endlich gefunden. Das Glück dass mein Krebs rechtzeitig entdeckt wurde, das Glück dass ich weiterhin Kinder bekommen kann. Ich habe eine Familie die mit mir lacht und mit mir trauert, nicht jeder kann das von seiner Familie behaupten.
Mir ist bewusst geworden wie viel ich einigen Leuten bedeute, auch das tut unglaublich gut.
Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet, es gibt eben auch positive Seiten an diesem Schicksalsschlag, ich weiß jetzt immerhin dass ich überhaupt schwanger werden kann. Das war meine erste Schwangerschaft und vorher hatte ich Angst dass es vielleicht überhaupt nicht klappt und ich irgendwie kaputt bin.
Der Schmerz wird sich verändern du wirst sehen. Aber geh im nicht aus dem Weg sondern sieh ihn als einen Teil von Dir. Mein Schmerz hat mich reifen lassen, ich weiß jetzt ganz genau was ich in meinem Leben will, was mir wichtig ist und ich weiß das Leben an sich mehr zu schätzen, ich weiß welches Wunder es ist ein Leben in sich zu tragen und ich sehe es als größtes Geschenk an dass ein Mann einer Frau machen kann.
Dein Mann wollte dir dieses Geschenk machen, er muss dich abgöttisch lieben.
Ich hoffe meine Zeilen geben dir etwas Hoffnung und Kraft, du wirst beides in der nächsten Zeit gebrauchen können.
In verbundener Freundschaft, Deine Zoe

Text 6

Liebe Lynda,
heute ist mein 30. Geburtstag und ich habe nochmal über unsere Schicksalsschläge nachgedacht.
Ich weiß du hast Angst, dass du nicht mehr richtig funktionieren könntest nach deinen Operationen aber dem ist sicher nicht so. Ich habe mit einigen Frauen geschrieben denen es ähnlich ergangen ist wie uns, es war für sie kein Problem schwanger zu werden und Kinder zu bekommen, wenn der Gebärmutterhals zu kurz war wurde einfach eine Schlinge gelegt, die Ärzte wissen worauf sie achten müssen damit alles normal verläuft. Mach dir darüber nicht so viele Sorgen, versuche es einfach wieder. Du wirst bestimmt schnell wieder schwanger werden.
Ich spüre den Schmerz jeden Tag, und gerade an Tagen wie der bei Manja wird einem vor Augen geführt was man verloren hat, aber eben auch was man noch erreichen kann und wird. Selbst meine Mutter von der man behaupten würde sie sei eine sehr fruchtbare Frau und bei der hat es sehr gut funktioniert weil sie 5 Kinder hat, musste 2 Fehlgeburten verkraften und ein Frühchen das nach 3 Tagen verstorben ist. Sie hat nicht aufgegeben und wurde mit 5 Kindern belohnt.
Das wichtige dabei ist dass du nicht versuchst dir selber die Schuld daran zu gehen dass es beim ersten Mal nicht geklappt hat, viele Frauen die auch körperlich total fit sind und die kein Übergewicht haben, teilen leider unser Schicksal. Es ist einerseits traurig, andererseits beruhigend, wir sind damit nicht alleine.
Vielleicht nimmt dieses Wissen dir etwas den Druck den du dir selber machst und zeigt dir dass es Dinge im Leben gibt die man nicht kontrollieren und beeinflussen kann. Ich weiß dass diese Hilflosigkeit schwer hinnehmbar ist, gerade wenn man wie du gerne die Kontrolle über sein Leben hat. Du hast aber immer noch die Kontrolle darüber dich erneut in dieses Abenteuer zu stürzen, diesmal dann mit einem schöneren Ausgang?!
Ich habe mich nach diesen Geschehnissen völlig unbrauchbar gefühlt, ich hatte auch plötzlich Angst dass ich dem Mutter sein gar nicht gewachsen sein könnte und ich wahrscheinlich als Mutter völlig ungeeignet bin. Vorher war ich fest davon überzeugt dass ich das alles gut packen würde und mir die Mutterrolle quasi im Blut liegt. Weil ich immer noch das starke Bedürfnis habe mich um jemanden zu kümmern und Liebe zu geben und auch diesem Minderwertigkeitsgefühl entgegen zu wirken, habe ich nun vor einer Woche einen kleinen Welpen zu mir geholt. Nach schon einer Woche merke ich dass ich sehr viel zu geben hab und dass ich mit einer verantwortungsvollen Rolle sehr gut umgehen kann. Ich fühle mich überhaupt nicht überfordert und ich merke dass es dem kleinen Welpen sehr gut bei mir geht. Da ich das schon so gut gemeistert habe denke ich dass ich vielleicht doch nicht so ungeeignet bin als Mutter. Ich werde das sicher gut schaffen und ich habe ja auch noch einen Partner der mir zur Seite steht. Ich empfinde mich wieder als etwas wertvolles, da ich einem kleinen Leben sehr viel Liebe gebe. Du siehst, es ist alles eine Frage des Blickwinkels, du hast sicher auch jemanden in deiner Umgebung den Du im Leben sehr viel gibst. Schau dich mal genau um, dann siehst du dass Du es verdient hast dass dein Kinderwunsch irgendwann in Erfüllung geht.
Schau nach vorne, versuch deine Träume wahr werden zu lassen. Behalte dein ungeborenes Kind, die kleine Seele in deinem Herzen in Erinnerung. Der Schmerz in deinem Herzen hilft dir vielleicht eine klare Sicht dafür zu bekommen was dir im Leben wichtig ist, wenn du um dich haben möchtest wenn du alt wirst, wer deine Bezugspersonen sind, wer Deine Freunde sind und wie du Leben möchtest.
Es drückt dich, deine Freundin Zoe

Schreibanleitung Text 5 + 6

Liebe Frau Sou,
Dies ist nun die Schreibanleitung für die Texte 5 und 6. Bei diesen Texten geht es darum aus einer anderen Perspektive auf den Verlust Ihres Kindes zu schauen.
Lesen Sie Ihre ersten vier Texte bitte erneut durch. Stellen Sie sich vor, ein erdachter Freund oder eine erdachte Freundin hätte die Texte geschrieben, nachdem er oder sie das Gleiche durchgemacht hat wie Sie. Er oder sie hat die gleichen Erfahrungen, die gleichen Gefühle und die gleichen Erinnerungen und muss damit weiterleben. Wenn Sie die Texte gelesen haben, schreiben Sie ihm oder ihr einen unterstützenden Brief. Geben Sie ihm oder ihr in diesem Brief Rat, wie er oder sie das Geschehnis anders betrachten könnte. Was würden Sie ihm oder ihr empfehlen? Welche Ideen sind für ihn oder sie wichtig?
Gehen Sie davon aus, dass Ihr Freund oder Ihre Freundin mit den gleichen Gefühle wie Sie zu kämpfen hat, wie vielleicht
- Traurigkeit
- Irrealitätserleben
- Gefühl der Hilflosigkeit
- Gefühl der Fassungslosigkeit und Machtlosigkeit
- Schuldgefühle
Welche anderen Ideen können Sie ihm oder ihr hinsichtlich der Situation geben, wodurch z.B. die Schuldgefühle genommen werden oder wodurch er oder sie sich weniger machtlos und hilflos fühlt? Wäre es beispielsweise möglich, dass Ihr Freund oder Ihre Freundin durch das Ereignis und dessen Folgen etwas "Neues" erfahren hat? Hat er oder sie etwas über die Welt oder das Leben entdeckt, das er oder sie sonst gar nicht oder viel später entdeckt hätte? Ist diese Erfahrung auch in anderen Bereichen seines oder ihres Lebens nützlich?
Die folgenden Fragen sollen Sie bei der Formulierung der Ratschläge unterstützen. Sie brauchen sie in Ihrem Brief nicht Punkt für Punkt zu behandeln, sondern sie dienen dazu, Ihnen Ideen zu geben.
Gibt es Dinge, die Ihr Freund oder Ihre Freundin übersehen hat, wodurch seine bzw. ihre Rolle insgesamt negativer scheint als sie tatsächlich ist oder als andere sie sehen?
Was waren die Absichten Ihres Freundes oder Ihrer Freundin während der Schwangerschaft bzw. vor oder während des Verlustes ihres oder seines Kindes?
Ist etwas ähnliches schon einmal früher geschehen, wodurch Ihr Freund oder Ihre Freundin hätte wissen können, wie er oder sie den Verlust hätte verhindern können?
Denken Sie, dass er oder sie sich ebenso verhalten hätten, wenn er oder sie mehr Informationen gehabt hätte?
Nehmen Sie es ihm oder ihr übel, dass er oder sie sich so verhalten hat?
Wer war für das Ereignis verantwortlich? War Ihr Freund bzw. Ihre Freundin dafür verantwortlich?
Welche Bedeutung hat das Ereignis im Leben Ihres Freundes bzw. Ihrer Freundin?
In Ihren Texten benutzen Sie Ausdrücke wie z.B. "Ich hab es umgebracht, ich bin sicher Schuld und jetzt muss ich mein totes Baby rum tragen."
Halten Sie es für sinnvoll, dass Ihr Freund/Ihre Freundin weiter in dieser Form darüber nachdenkt? Oder gibt es andere Aspekte, um die eigenen Erfahrungen zu beschreiben?
Sie können Ihre ersten Texte wieder lesen, um Anknüpfungspunkte für Ihren Rat zu finden. Was war Ihre eigene Einstellung, Ihre Auffassung von der Welt, als Sie diese Texte geschrieben haben? Wenn Ihr Freund oder Ihre Freundin die gleiche Haltung eingenommen hätte, was würden Sie ihm/ihr raten?
Konzentrieren Sie sich zuerst auf die Ereignisse rund um den Verlust Ihres Kindes und deren Folgen. Lesen Sie danach Ihre vier ersten Texte. Beginnen Sie dann mit dem Briefschreiben.
Beim Schreiben sollten Sie sich mit Ihrer Anrede direkt an Ihren Freund/Ihre Freundin richten:
z.B. Liebe Katrin /Lieber Hans......,
Diese Instruktion gilt für die nächsten zwei Texte (Text 5 und 6). Wenn Sie Text 6 geschrieben haben, schicke ich Ihnen eine Rückmeldung und eine neue Instruktionen.

Text 4

Ich liege im Bett und streichle mir meinen Bauch, du bist weg, wirklich weg, warst du wirklich bei mir? Es kommt mir einfach alles so unwirklich vor, so als wäre ich nie schwanger gewesen. Hab ich mir das alles nur eingebildet? Ich weiß nicht mehr was echt ist und was ich mir einbilde. Vielleicht hab ich mir auch nur so sehr gewünscht schwanger zu werden dass ich mir das alles vielleicht eingebildet habe, vielleicht hat mein Körper das gemacht was ich mir gewünscht habe? Nein, dann wäre ja der Urintest nicht positiv, dann hätte man kein embryonales Gewebe untersuchen können, dann wäre auch der Verlustschmerz nicht so groß. Ich bereue es dass ich mich so genau informiert habe wie weit die Entwicklung eines Kindes in welcher Schwangerschaftswoche ist. Ich habe immer die Bilder vor Augen wie das Herzchen meines Böhnchens aufhört zu schlagen, oder gar nicht erst anfängt, so oder so, du bist weg. Es ist schon 4 Monate her und doch habe ich einen Kloß im Hals wenn ich daran denke dass du von mir gegangen bist. Gerade hat Sarah eine SMS geschrieben, sie hat heute Morgen entbunden, Ihr kleiner Sohn erblickte um 7 Uhr das Licht der Welt. Ich mache mich sofort auf den Weg ins Krankenhaus, wir waren ja eine kurze Zeit zusammen schwanger. Ich suche den schönsten Blumenstrauß aus und gehe dann zur Entbindungsstation, schon auf dem Weg dorthin muss ich meine Tränen einige Male unterdrücken. Ich betrete das Zimmer und begrüße sie herzlich, neben Ihr im Zimmer liegt noch eine frisch gebackene Mami mit ihrer Kleinen. Der Kloß im Hals wird größer. Wir unterhalten uns und sie erzählt mir alles. Dann drückt sie mir den Kleinen auf den Arm und sagt sie muss mal kurz ins Bad. Ich freue mich über den Kleinen aber gleichzeitig wird mir schmerzlich klar was ich verloren habe. Ich fange an zu weinen, ich kann kaum wieder aufhören, die 10 min die Sarah im Bad ist kommen mir wie eine Ewigkeit vor. Der Kleine ist so wunderschön und winzig, so perfekt und unschuldig, so vollständig und einfach großartig. Es ist ein Gefühl wie… eine Mischung aus purem Glück und purer Trauer. Skurril, aber die Freude über den Kleinen überwiegt und ich kann mich langsam wieder sammeln und höre auf zu so stark zu weinen. Sarah kommt zurück aus dem Bad, legt die Hand auf meine Schulter und sagt: „Du bist auch bald dran, ganz sicher!“…

Text 3

Ich stehe noch im Untersuchungszimmer und nehme wortlos die Überweisung ins Krankenhaus entgegen. Ich glaube mein Herz hat kurz aufgehört zu schlagen, die Ärztin sagt mein Kind ist schon tot. Ich trage ein totes Kind in mir. Ich weiß nicht was ich noch sagen soll, deshalb verabschiede ich mich mit „Tschüß“ und verlasse den Raum. Ich gehe zum Kleiderständer und schnappe mir meine Sachen, anziehen kann ich mich auch im Treppenhaus. Die Tränen laufen in mir über die Wangen, mir ist kalt. Noch versuche ich mir die Tränen weg zu wischen aber es sind einfach zu viele, auf dem Weg zur U-Bahn gebe ich auf und lasse es einfach fließen, jetzt sieht es eh schon jeder und sieht mich mitleidig an. Ich spüre meine Beine nicht, meine Arme nicht, eigentlich spüre ich nur mein Herz und habe das Gefühl dass der Boden unter mir weggerissen wird. Das kann jetzt nicht wirklich passieren, ich wache sicher gleich schweißgebadet auf, mir ist so kalt, ich fange an zu zittern, ich schüttel mich am ganzen Körper. Der alte Mann da drüben kann gar nicht weg sehen, er fragt sich sicher was mir passiert ist. Mein Gesicht spiegelt sich in der Glasscheibe, ich sehe aus wie ein Häufchen Elend und ich fühle mich wie ein ganzes Gebirge Elend. Ich hab mein Kind sicher vergiftet mit den Grippostad, auf dem Beipackzettel stand dass man es während einer Schwangerschaft nicht einnehmen soll. Oder ich hab es gekocht, ich hatte Fieber und ich bin trotzdem arbeiten gegangen, sogar in Doppelschicht weil ich dachte ich müsse für meine Kollegen da sein, dadurch ist mein Fieber schlimmer geworden und ich hab mein Kind sicher gargekocht, ich sehe es genau vor mir wie die kleinen Eiweißverbindungen auf atomebene ausflocken und das kleine Wesen daran hintern sich weiter zu entwickeln. Dieser mikroskopisch kleine Zellhaufen der mein Baby ist. Ich hab es umgebracht, ich bin sicher Schuld und jetzt muss ich mein totes Baby rum tragen. Ich hoffe mein Zwerg hatte noch keine Nervenbahnen und konnte keinen Schmerz spüren…Ich hab es nicht verdient Mutter zu werden, ich bin nicht gut genug für ein Kind. Ich bin bestimmt zu dick und weil ich zu viel gegessen habe funktioniert mein Körper nicht richtig, nur weil ich zu undiszipliniert war und bin, ich bin selber schuld. Wenn ich meinen Körper die letzten Jahre fitter gehalten hätte dann wäre das sicher nicht passiert. Ich hasse mich selber dafür. Ich hasse mich, ja ich hasse mich. Dabei will ich doch nur ein Baby haben, ich will doch nur dass Du lebst, du kleines Würmchen in mir, die anderen Frauen können das doch auch. Verdammt, fast hätte ich meine Station verpasst, ich steige aus und laufe fast nach Hause, immer noch ist mir kalt und übel ist mir auch, mein Magen dreht sich fast um bei dem Gedanken dass mein Zwerg tot ist. Ich habe einen riesigen Kloß im Hals, ich muss tief einatmen um überhaupt Luft zu bekommen. Ich sinke in mein Sofa, mir tut alles weg, jede Zelle meines Körpers tut weh, jede Zelle ist unglücklich, ich hab mein Baby verloren und ich bin schuld. Ich weiß es, von alleine geht so ein Zwerg doch nicht einfach oder??? Ich kann nicht atmen, ich weine nicht mehr, für einen Moment zumindest…

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